Im Vergleich zu vorherigen Generationen jagen Millenials während ihrer Karriere weniger dem besonders hohen Gehalt oder dem großen Dienstwagen hinterher. Für sie spielt dafür umso häufiger die Work-Life Balance eine gewichtige Rolle. Das ausgewogene Verhältnis zwischen Arbeit und Freizeit bestimmt die Hierarchie ihrer Bedürfnisse wie kaum etwas anderes und hat so besondere Auswirkungen auf ihre Motivation und, damit eng verbunden, ihre Produktivität im Beruf.

Führungskräfte und Personaler sollten sich daher ebenfalls mit dem Thema Work-Life Balance beschäftigen – und das nicht nur aus reiner Menschlichkeit. Schließlich werden bis 2020 mehr als 50% der Arbeitskraft in den Unternehmen von Millenials gestellt. Damit werden ihre Wünsche und Pläne zunehmend relevanter in der Arbeitswelt.

Eines der größten Themen in der Diskussion um die Work-Life Balance ist Flexibilität. Flexibilität in der Arbeitswelt wird stetig weiter entwickelt. Der Anteil der Nine to Five-Jobs nimmt in der Gruppe der Millenials immer weiter ab. Arbeit und Privates verschmelzen immer weiter. Eine berufliche E-Mail ist dank Smartphones schließlich auch nach der Arbeitszeit schnell abgerufen und beantwortet. Die arbeitnehmerfreundliche Seite dieser Flexibilität hingegen ist, dass immer mehr Arbeitnehmer flexible Arbeitszeitregelungen entwickeln, die beispielsweise das Zeitkonto für Überstunden nicht nur auf den Monat oder das Quartal begrenzen, sondern Arbeitnehmern auch die Möglichkeit geben, über Jahresfrist hinaus Überstunden zu sammeln und so Freiraum zu schaffen für einen Roadtrip durch die USA oder eine Weltreise, ohne an die Grenzen der gesetzlichen Urlaubstage gebunden zu sein.

Auch den Arbeitsplatz betrifft die neue Flexibilität. Vor allem begünstigt durch die neuen Möglichkeiten der Digitaltechnik entstehen immer mehr Berufe, die auch ortsungebunden darstellbar sind. Zwar sind beispielsweise viele handwerkliche Berufe vom Wesen her ungeeignet, die meisten Desktop-Berufe erfordern hingegen keine körperliche Präsenz an einem bestimmten Ort. Neue Datenübertragungs-und Speichertechniken vereinfachen das Remote Working signifikant.

Die Kombination beider Freiheiten – der zeitlichen und der räumlichen, war bis dato nur einigen wenigen Selbständigen ausgewählter Professionen vorbehalten. Heute hat sich eine ganze Subkultur entwickelt: die Digital Nomads, die digitalen Nomaden.
Nomadentum ist eine recht alte Gesellschaftsform, in der Menschen früher zusammenlebten, bevor sie sesshaft wurden. Die modernen Nomaden ziehen nicht mehr umher, um Nahrung zu finden. Ihren Broterwerb haben sie in die Digitalwelt verlegt. Ihre Wanderungen über den Globus dienen heute vorrangig der besseren Gestaltung der Work-Life Balance. Dabei zählt Arbeiten unter Palmen ebenso zu den Wünschen wie das Entdecken neuer Länder und Orte und Nutzen von einem Wohlstandsgefälle zwischen Gehaltsniveau im Herkunftsland und Preisniveau im Aufenthaltsland. Unter den Digitalnomaden befinden sich viele Selbstständige – aber auch Angestellte kommen immer häufiger in den Genuss neuer Flexibilität. Außerdem befinden sich viele Arbeitnehmer nicht mehr in klassischen Arbeitsverhältnissen, sondern sind bei mehreren Unternehmen angestellt oder kombinieren Angestelltenverhältnis und Selbstständigkeit.